Trainerperspektive: Evaluation eines ganzheitlichen Trainingsmodells

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Ich verfolge ein Trainingsmodell, das unter dem Oberbegriff „Taktische Periodisierung“ (Tactical Periodisation) zusammengefasst werden kann. 

Die taktische Periodisierung ist ein ganzheitliches Trainingsmodell, bei dem versucht wird, technisches, taktisches und körperliches Training gleichzeitig abzudecken. Jeder Trainingstag in der Woche vor einem Spiel hat dabei bestimmte Schwerpunkte, an denen sich die Gestaltung der Trainingseinheiten orientiert.

Beispielsweise beinhaltet eine Trainingseinheit drei Tage vor dem Spiel große Spielflächen, Ballbesitzformen mit einer hohen Anzahl an Spielern sowie Spielformen mit dem körperlichen Ziel, eine erhöhte kardiovaskuläre Belastung zu erzeugen. Dies wird durch ein hohes Maß an Läufen mit hoher Geschwindigkeit und teilweise auch durch Belastungen im Bereich der maximalen Geschwindigkeit erreicht.

Auch wenn es von Woche zu Woche gewisse Ähnlichkeiten geben kann, ist eine Fußballsaison komplex und von einer Vielzahl voneinander abhängiger Variablen geprägt. Dazu gehören beispielsweise die Anzahl der Tage vor bzw. nach einem Spiel, die verfügbaren Spieler, die Schwierigkeit oder Bedeutung bevorstehender und vergangener Spiele usw. Diese Faktoren führen zu unterschiedlichen Trainingsinhalten und damit auch zu unterschiedlichen körperlichen Belastungen.

Effektives Arbeiten und gute Entscheidungen in einem derart komplexen Umfeld erfordern daher einen ständigen Prozess aus Beobachtung, Auswertung und Anpassung. Denn was in der Vergangenheit funktioniert hat, muss nicht zwangsläufig auch in Zukunft noch angemessen sein.

Eine der zentralen Aufgaben für mich als Athletik Trainer besteht darin, eng mit dem Trainerteam zusammenzuarbeiten, um die Belastungen zu planen und die individuelle Reaktion jedes Spielers auf diese Belastungen zu erfassen.

Idealerweise würde eine regelmäßige Testbatterie dabei helfen, diese Informationen bereitzustellen. Die Realität einer Fußballsaison lässt einen derart formalisierten Ansatz jedoch häufig nicht zu. Regelmäßige, umfangreiche Testungen sind nur schwer umzusetzen, wenn eine Mannschaft über eine 49-wöchige Saison mehr als 60 Spiele absolviert - also ungefähr alle 3,5 Tage ein Spiel. Deshalb muss der Ansatz pragmatischer sein.

Wir müssen akzeptieren, dass Gold-Standard-Best-Practice nur unter sehr kontrollierten, akademischen Bedingungen vollständig umsetzbar ist.

Deshalb verfolge ich den Grundsatz:

Testen bedeutet Monitoring - und Monitoring bedeutet Testen.


Dadurch entsteht die Möglichkeit, die Fitness und Ermüdung der Spieler über das gesamte Jahr hinweg zu verfolgen.


Damit dies effektiv funktioniert, müssen wir jedoch zunächst einen Referenzwert bzw. eine Baseline festlegen und verstehen, welche natürlichen Schwankungsbreite bei unseren täglichen Maßnahmen besteht.

Eine Möglichkeit hierfür besteht darin, sogenannte „klassische Trainingseinheiten“ (Classic Sessions) zu definieren. Dabei stellen wir uns für jeden Trainingstag die Frage:

Hat die Trainingseinheit unsere thematischen Zielsetzungen in den Bereichen Technik, Taktik und körperliche Leistungsfähigkeit erfüllt?

Wenn dies der Fall ist, wird die Einheit in unserer Datenbank als „Classic Session“ kodiert. Die dabei erhobenen Daten werden anschließend gesammelt und dienen als Referenzwert bzw. Benchmark, mit dem zukünftige Trainingseinheiten verglichen werden können.

Auf Teamebene werden der Mittelwert und die Standardabweichung der klassischen Trainingseinheiten herangezogen. Der Mittelwert der jeweiligen Gruppe wird anschließend verwendet, um für jeden relevanten Parameter einen Standard- bzw. Z-Wert zu berechnen.

Diese Ergebnisse werden oben im täglichen Bericht grafisch in Form eines Radarplots dargestellt.

Für die einzelnen Spieler wird jeder Parameter zusätzlich in Balkendiagrammen dargestellt. Dabei werden obere und untere Grenzen für die kleinste relevante Veränderung (Smallest Worthwhile Change) eingezeichnet. Dadurch lässt sich erkennen, wo sich ein Spieler im Vergleich zu seinen eigenen Werten aus ähnlichen Trainingseinheiten befindet.

Diese Darstellungen ermöglichen eine schnelle und einfache Analyse der Trainingsbelastung, sowohl für die gesamte Gruppe als auch für einzelne Spieler. Gleichzeitig kann die Belastung mit den Erwartungen des Trainers und den körperlichen Zielen der jeweiligen Trainingseinheit verglichen werden.

Bei der Arbeit mit einem ganzheitlichen Trainingsmodell muss berücksichtigt werden, dass wir die Rahmenbedingungen der taktischen und technischen Elemente gezielt verändern, um bestimmte körperliche Belastungsziele zu erreichen.

Wir wollen jedoch keine Spieler, die versuchen, ihre Trainingswerte künstlich zu erhöhen, indem sie sich nicht an die taktischen Vorgaben halten. Dies wäre für die Teamleistung kontraproduktiv, die letztlich das übergeordnete Ziel darstellt.

Dies sollte auch bei der Rückmeldung an die Spieler berücksichtigt werden.

Informationen über körperliche Belastungswerte müssen immer in die technischen und taktischen Ziele der jeweiligen Trainingseinheit eingebettet werden. Diese Ziele können sich im Verlauf einer Einheit verändern. Außerdem müssen Unterschiede zwischen den Spielpositionen und der taktischen Ausrichtung der Spielformen berücksichtigt werden.

Ich geben den Spielern Feedback in einer Sprache, die sie verstehen, und ermöglichen Ihnen dadurch, abstrakte Zahlen in den Kontext ihrer tatsächlichen, sportlichen Leistung einzuordnen.

Grundlegend für diesen gesamten Prozess ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Technik-/Taktiktrainern und dem Athletik-bzw. Performance-Team. 

Es ist wichtig, dass alle Beteiligten:

  • die gewünschten Ergebnisse und Schwerpunkte der jeweiligen Trainingswoche kennen,
  • sich an der Gestaltung der Trainingseinheiten beteiligen können,
  • die erzielten Ergebnisse verstehen und
  • klare Botschaften und Feedback in Bezug auf die technischen, taktischen und körperlichen Ziele vermitteln.

Das übergeordnete Prinzip lautet also:

Belastungen nicht isoliert betrachten, sondern technische, taktische und körperliche Anforderungen gemeinsam analysieren und das Monitoring nutzen, um Training fortlaufend an die tatsächlichen Anforderungen und Reaktionen der Spieler anzupassen.

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