Schmerz verändert Bewegungsmuster
Um Schmerzen zu vermeiden oder Schwächen auszugleichen, löst das Gehirn unwillkürlich eine funktionelle Kompensationsbewegung aus, um die betroffene Stelle zu entlasten und dabei die gewünschte Funktion zu erhalten. Mit der Zeit führt eine funktionelle Kompensation häufig auch zu einer strukturellen Adaption (Anpassung oder Abnutzung) von Strukturen.
Ein wesentliches Ziel des Trainings nach Verletzungen ist es daher, Schonhaltungen, Ausweich- und Entlastungsbewegungen so früh wie möglich auszugleichen und die natürlichen Bewegungsmuster wiederherzustellen.
Eine Verletzung verursacht Schmerz und dieser verändert unser Bewegungsmuster. Das ist kurzfristig ein sinnvoller Schutzmechanismus bis zur Ausheilung der Verletzung. Wird eine Kompensation jedoch über die Ausheilung beibehalten, können Dysbalancen entstehen.
Das Hauptrisiko, einer Sportverletzung zu erleiden, ist eine vorausgegangene Sportverletzung.
„Looking at 70 teams in 18 countries over 8 seasons (9000 injuries), we have found that previous injury is by far the greatest predictor of future injury in football.“ Prof. Dr. Jan Eckstrand, Erster Vizevorsitzender der Medizinischen Kommission der UEFA auf dem Soccer Industry Medical Symposium 2009.
Fit trotz Dysfunktion (Do not put fitness to dysfunction)
Dieser Ausspruch warnt vor einem Phänomen, das häufig in Fitnessstudios, bei Läufern und bei Fußballern auf dem Platz zu beobachten ist.
Sie steigern ihre Leistung, obwohl sie an wichtigen Stellen Störungen oder sogar Schmerzen haben: z.B. verbessert ein Läufer seine Kilometerzeit trotz deutlich verkürzter Muskulatur der Oberschenkel und einer defizitären Rumpfmuskulatur. Meist sind dem Athleten diese Mängel gar nicht bewusst. Typischerweise kompensiert der Körper solche Defizite automatisch.
Selbst im Profisportbereich kommt es vor, dass bestimmte Muskeln gar nicht mehr angemessen aktiviert werden. Besonders häufig ist die Gesäßmuskulatur davon betroffen. Die fehlenden Fähigkeit, das Gesäß im richtigen Moment anzuspannen, beschreibt man auch als Vergesslichkeit des Glutealmuskels oder als „gluteale Amnesie“. Die Sportler sind dann oft leistungsstark in ihrer Disziplin und sogar dazu in der Lage, ihre Performance auszubauen. Doch zahlen sie an anderer Stelle den Preis dafür: mit Überbelastung an den kompensierenden Strukturen.
Dieses Vorgehen ist in zweifacher Weise von Nachteil. Zum einen strapazieren wir unsere Gewebetoleranz und können eine akute oder chronische Gewebeschädigung dadurch verursachen, zum anderen üben wir ein falsches Bewegungsmuster und speichern dieses ab.
Ohne Schmerzen oder deutlich spürbare Beschwerden fehlt den Sportlern allerdings meistens die Motivation dazu, aktiv an ihren Defiziten zu arbeiten. Deshalb ist eine standardisierte Analyse von grundlegenden Bewegungsmustern zu Beginn des Trainings und in regelmäßigen Abständen eine wichtige Voraussetzung, um Dysfunktionen zu erkennen und anschließend durch geeignete Übungen ausgleichen zu können.
Merke dir:
Reduziere zuerst das Negative bei einem Bewegungsmuster, bevor du die positiven Anteile verstärkst! Beseitige also beispielsweise eine Bewegungseinschränkung, bevor du die Kraft steigerst.
Der Körper wird Qualität immer für Quantität opfern. Das bedeutet, eine Last wird bei Überbelastung eher mit einer Ausgleichsbewegung durchgeführt und kompensiert, als dass sie abgebrochen wird. Es gilt also Qualität von Quantität!