Mobilität vor Stabilität

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Die Priorität liegt im funktionellen Training auf der Mobilität der Gelenke. 

Erst muss ein Gelenk beweglich sein, damit man es stabilisieren und neuromuskulär optimal ansteuern kann. 

Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass eine qualitative hochwertige Ansteuerung von der Qualität der Propriozeption, der Körperwahrnehmung, abhängt. 

Sie ist besser, wenn das Gelenk beweglich und nicht etwa steif ist, denn jede Bewegung des Gelenks schickt Informationen an das zentrale Nervensystem. 

Eine optimale Kontrolle eines Gelenks ist also bei eingeschränkter Mobilität nicht gegeben - daher ist Mobilität Voraussetzung sowohl für die Stabilität als auch für die Ansteuerung. 

Eine eingeschränkte Beweglichkeit erhöht das Risiko einer Überbelastung und Verletzung im Bereich der Gelenke, des Bindegewebes oder der Muskulatur an dieser Körperstelle, aber auch Kompensationsbewegungen an anderen Stellen des Körpers. Das gilt umso mehr, wenn ein Mobilitätsdefizit einseitig und damit asymmetrisch auftritt. 

ROM = Range of Motion, senken einen pathologisch erhöhten Muskeltonus, beseitigen fasziale Störungen und schaffen Symmetrie im Bewegungsapparat. 

Methoden, die ich erfolgreich bei Athleten anwende: 

  • Atemtraining 
  • Statisches und dynamisches Dehnen 
  • Faszientraining mit einer Rolle oder einem Stick
  • Manuelle Techniken 
  • Flossing 

Merke: 

Eine gute Mobilität ermöglicht dem Körper ein besseres Feedback bei Bewegungen. 

Zusätzlich liefert uns eine hohe Mobilität einen Bewegungspuffer. Das schont die Strukturen, erhöht die Effizienz und spart Kraft. 

Regionale Abhängigkeit (Auf- und absteigende Ursache-Folge-Ketten) 

Viele Beschwerden oder Schmerzen in der Bewegung haben ihre Ursache nicht unbedingt an der Stelle, an der sie sich bemerkbar machen. Ursache-Folgeketten sind Auslöser, die in benachbarten, weiter oben oder weiter unten liegenden Gelenken entstehen und sich auf entfernter liegenden Strukturen auswirken. 

Typische Beispiele für auf- und absteigende Ursache-Folge-Ketten sind:

  • Eine eingeschränkte Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk führt zu einer Überbelastung im Vorfuß (absteigend) und im Knie (aufsteigend)
  • Hüftbeschwerden können zu Beschwerden des Kniegelenks (absteigend) und Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich (aufsteigend) führen
  • Eine verstärkte Beugung der Brustwirbelsäule führt zu einer vermehrten Belastung der Lendenwirbelsäule (absteigend) und zu einer vermehrten Belastung der Schulter und der Halswirbelsäule (aufsteigend) 

Beurteilung der Bewegungsmuster 

Eine wichtige Aufgabe als Trainer besteht darin, bei Sportlern den richtigen Schwierigkeitsgrad und die richtige Ebene für einen Trainingseinstieg zu finden. 

Fehlt einem Erwachsenen die notwendige Rumpfstabilität im Stand, muss ich wieder in der Ebene trainieren, in der das Defizit verankert ist. Praktisch kann das bedeuten, Übungen im Kniestand oder im Vierfüßlerstand ausführen zu lassen, um dann wieder in den Stand zu wechseln, sobald die notwendige Stabilität geschaffen wurde. 

Nur an der peripheren Beweglichkeit und Kraft zu arbeiten, wird also nicht nachhaltig erfolgreich sein, wenn nicht zeitgleich auch die zentrale Bewegungssteuerung trainiert wird. 

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